Bei der Erdung einer Photovoltaikanlage geht es nicht nur um eine einzelne Zahl im Datenblatt. Entscheidend ist, ob das Dach lediglich einen Funktionspotentialausgleich braucht oder ob die Anlage in ein äußeres Blitzschutzsystem eingebunden werden muss. Genau daraus ergibt sich der passende Leitungsquerschnitt, und genau an dieser Stelle entstehen in der Praxis die meisten Fehlplanungen.
Die wichtigsten Eckpunkte für die Erdung und den Querschnitt
- Für Gebäude ohne äußeres Blitzschutzsystem gilt beim metallenen Montagesystem typischerweise mindestens 6 mm² Cu für den Funktionspotentialausgleich.
- Sobald der Trennungsabstand nicht eingehalten werden kann, braucht die Verbindung zur Blitzschutzanlage mindestens 16 mm² Cu oder 8 mm Runddraht aus Al oder Cu.
- Meist wird nicht jeder Modulrahmen separat geerdet, sondern das Montagegestell und die relevanten metallenen Teile des Systems.
- Der richtige Querschnitt hängt immer auch von Leitungsführung, Material, Korrosionsschutz und Blitzschutzkonzept ab.
- Bei Bestandsgebäuden ist eine fehlende oder unzureichende Erdungsanlage oft der eigentliche Engpass, nicht der PV-Leiter selbst.
Was bei der Erdung einer PV-Anlage eigentlich gemeint ist
Im Alltag werden Erdung und Potentialausgleich oft in einen Topf geworfen, technisch sind das aber zwei verschiedene Dinge. Die Erdungsanlage des Gebäudes schafft die Verbindung zum Erdpotenzial, während der Potentialausgleich dafür sorgt, dass metallene Teile auf möglichst gleichem Spannungsniveau liegen. Bei PV-Anlagen ist genau diese Unterscheidung wichtig, weil nicht jede metallische Komponente automatisch eine eigene Erdungsleitung braucht.
Für die Praxis heißt das: Das Montagegestell, metallene Kabeltrassen, gegebenenfalls das Gehäuse des Wechselrichters und weitere leitfähige Bauteile werden so eingebunden, dass gefährliche Spannungsunterschiede vermieden werden. Die Modulrahmen selbst müssen aus Blitzschutzsicht nicht in jedem Fall separat geerdet werden; oft ist das Gestell der entscheidende Punkt. Die Anlage wird also nicht „einfach dicker geerdet“, sondern normgerecht in ein Gesamtkonzept eingebunden.
Wer das sauber trennt, plant später den Querschnitt deutlich sicherer. Genau daran knüpft die nächste Frage an: Welche Leitung ist in welchem Fall tatsächlich nötig?

Welcher Querschnitt in welchem Fall passt
Die kurze Antwort lautet: Es gibt nicht den einen Standardwert für jede PV-Anlage. In Deutschland hängt der Querschnitt vor allem davon ab, ob ein äußeres Blitzschutzsystem vorhanden ist und ob der Trennungsabstand eingehalten werden kann. DEHN nennt für den Funktionspotentialausgleich von metallenen Montagesystemen mindestens 6 mm² Kupfer. Das ist der typische Fall bei Gebäuden ohne äußeren Blitzschutz.
| Situation | Typischer Mindestquerschnitt | Praktische Bedeutung |
|---|---|---|
| Gebäude ohne äußeres Blitzschutzsystem | 6 mm² Cu | Funktionspotentialausgleich des Montagegestells, kurze und direkte Verbindung, keine grün-gelbe Ausführung |
| Gebäude mit äußerem Blitzschutz, Trennungsabstand eingehalten | nach Gesamtkonzept der Anlage | Keine direkte blitzstromtragfähige Verbindung zur Blitzschutzanlage; die Planung muss den Abstand konsequent berücksichtigen |
| Gebäude mit äußerem Blitzschutz, Trennungsabstand nicht eingehalten | mindestens 16 mm² Cu oder 8 mm Runddraht aus Al oder Cu | Blitzstromtragfähige Verbindung zur äußeren Blitzschutzanlage, fachgerechte Planung zwingend |
Wichtig ist dabei nicht nur der Querschnitt, sondern auch die Ausführung. Ein 16-mm²-Leiter, der unnötig lang, mit großen Bögen und überflüssigen Schleifen verlegt wird, schützt in der Praxis schlechter als eine kurze, saubere Führung mit 6 mm² im Funktionspotentialausgleich. Der Leiterweg ist also Teil der Schutzwirkung, nicht nur ein Montagedetail.
Ein weiterer Punkt, der oft übersehen wird: Der Funktionspotentialausgleichsleiter darf nach DIN VDE 0100-712 nicht grün-gelb sein. Wer hier aus Gewohnheit den klassischen Schutzleiter verwendet, baut sich im Zweifel eine saubere Normabweichung ein. Genau an diesem Punkt lohnt sich die sorgfältige Trennung zwischen Schutzleiter, Potentialausgleich und Blitzschutzleitung.So prüfe ich die Ausführung im Neubau und im Bestand
Im Neubau ist die Erdung der PV-Anlage ein Planungsproblem, kein nachträglicher Rettungsversuch. Die Erdungsanlage gehört von Anfang an ins Konzept, idealerweise nach DIN 18014, damit die spätere PV-Montage nicht gegen ein unpassendes Bestandsdetail arbeiten muss. Im Bestand ist die Lage oft komplizierter: Hier muss zuerst geklärt werden, ob eine taugliche Erdungsanlage vorhanden ist und ob sie die aktuelle Funktion überhaupt erfüllt.
Ich gehe in der Praxis in dieser Reihenfolge vor:
- Prüfen, ob das Gebäude ein äußeres Blitzschutzsystem hat.
- Klärung, ob der Trennungsabstand zur PV-Anlage sicher eingehalten werden kann.
- Festlegen, ob nur ein Funktionspotentialausgleich oder zusätzlich eine blitzstromtragfähige Verbindung nötig ist.
- Material und Leiterführung festlegen, inklusive geeigneter Klemmen und Korrosionsschutz.
- Im Bestand prüfen, ob die Erdungsanlage nachgerüstet werden muss, etwa über einen Tiefenerder.
Gerade bei Sanierungen ist der letzte Punkt entscheidend. Wenn die vorhandene Erdungsanlage fehlt oder nicht mehr zu den Funktionsanforderungen passt, hilft ein sauberer PV-Leiter allein nicht weiter. Dann muss die Basis stimmen, bevor man über Details wie den Querschnitt der Verbindung spricht. Aus meiner Sicht ist das der häufigste Denkfehler bei älteren Häusern.
Diese Fehler machen die Erdung unnötig schwach
Bei PV-Anlagen sehe ich immer wieder dieselben Schwachstellen, und sie haben fast nie mit fehlender Theorie zu tun. Das Problem ist meist die Ausführung vor Ort. Ein paar typische Fehler sind besonders hartnäckig:
- Zu lange Leitungswege: Jede unnötige Schleife erhöht die Induktivität und verschlechtert die Schutzwirkung.
- Falsche Farbwahl: Ein Funktionspotentialausgleichsleiter ist nicht automatisch ein grün-gelber Schutzleiter.
- Ungeeignete Materialkombinationen: Aluminium und Kupfer brauchen passende, zugelassene Verbindungstechnik, sonst droht Kontaktkorrosion.
- Zu viel Vertrauen in „mehr Querschnitt“: Ein dicker Leiter ersetzt keine saubere Leitungsführung.
- Unklare Zuständigkeit der Modulrahmen: Nicht jeder Rahmen muss separat eingebunden werden; entscheidend ist das Gesamtkonzept des Systems.
- Fehlende Abstimmung mit dem Wechselrichter: Moderne trafolose Geräte reagieren auf saubere Potentialverhältnisse und auf gute Überspannungskonzepte sensibel.
DEHN weist in seinen Unterlagen darauf hin, dass genau diese funktionale Einbindung des Montagegestells wichtig ist, damit Überspannungsschutz und Isolationsüberwachung zuverlässig arbeiten. Das passt auch zu meiner Erfahrung: Die beste Erdungsleitung nützt wenig, wenn die Anlage an der falschen Stelle „unsauber“ aufgebaut ist.
Wer diese Fehler vermeidet, spart sich später nicht nur Fehlersuchen, sondern oft auch Nacharbeiten auf dem Dach. Und damit landet man zwangsläufig bei der Frage, was der äußere Blitzschutz an der ganzen Planung verändert.
Warum der äußere Blitzschutz alles verändert
Sobald ein Gebäude ein äußeres Blitzschutzsystem hat, gilt ein anderes Denken. Dann ist nicht mehr nur die Frage relevant, ob das Montagegestell leitfähig eingebunden wird, sondern ob die PV-Anlage den Trennungsabstand s zum Blitzschutzsystem einhält. Dieser Abstand ist der Sicherheitsabstand, der gefährliche Überschläge verhindern soll.
Wird der Trennungsabstand eingehalten, bleibt die PV-Anlage räumlich vom Blitzschutzsystem getrennt. Wird er nicht eingehalten, muss die Verbindung blitzstromtragfähig ausgeführt werden, also mit dem bereits genannten Querschnitt von mindestens 16 mm² Cu oder 8 mm Runddraht aus Al oder Cu. Das ist der Moment, in dem aus einer normalen Potentialausgleichsleitung eine echte Blitzschutzverbindung wird.
Auf Metalldächern, bei engen Dachaufbauten oder wenn die Modulfläche sehr dicht an Fangeinrichtungen heranrückt, wird dieser Punkt besonders kritisch. Genau dort sollte man nicht improvisieren. Ich halte es für einen Fehler, das Thema nur aus Sicht der Kabelverlegung zu betrachten; bei Blitzschutz zählt immer das Zusammenspiel aus Dachgeometrie, Abstand, Material und Verbindungstechnik.
Auch hier ist die fachliche Trennung wichtig: Funktionspotentialausgleich und Blitzschutz-Potentialausgleich sind nicht dasselbe. Wer sie vermischt, plant oft zu schwach oder unnötig aufwendig. Beides ist teuer, nur das erste ist zusätzlich riskant.
Was bei Montage und Abnahme am Ende zählt
Am Ende entscheidet nicht nur der gewählte Querschnitt, sondern die Qualität der gesamten Ausführung. Ich achte bei der Abnahme vor allem darauf, dass die Leiterwege kurz und nachvollziehbar sind, dass Klemmen und Verbinder zum Material passen und dass alle relevanten metallenen Teile eindeutig in das Schutzkonzept eingebunden sind. Bei Anlagen mit Blitzschutzsystem gehört außerdem die Dokumentation des Trennungsabstands dazu.
Für die Praxis heißt das auch: Erdung ist kein Punkt, den man nach dem Motto „irgendwo schon mit angeschraubt“ erledigen sollte. Saubere Leitungsführung, passende Klemmen und ein stimmiges Blitzschutzkonzept sind wichtiger als ein theoretisch größerer Querschnitt ohne System. Wer eine PV-Anlage neu plant oder im Bestand nachrüstet, sollte deshalb früh mit Elektriker und gegebenenfalls Blitzschutzfachkraft sprechen.
So bleibt die Anlage nicht nur elektrisch sicher, sondern auch langfristig wartbar. Und genau das ist bei Hausbau und Sanierung der Unterschied zwischen einer schnell montierten Lösung und einer technischen Ausführung, die auch in einigen Jahren noch sauber funktioniert.