Die alte Heizung fällt aus, ein einzelner Raum bleibt kalt oder die Sanierung steht an: Dann wirkt elektrisches Heizen zunächst unkompliziert. Heizen mit Strom kann komfortabel und sauber sein, ist aber nicht automatisch sparsam. Ich zeige, welche Systeme es gibt, wie stark sich ihr Stromverbrauch unterscheidet und wann sich Direktheizung, Infrarot oder Wärmepumpe für ein deutsches Wohngebäude wirklich eignen.
Die passende Elektroheizung hängt vor allem vom Wärmebedarf ab
- Direktheizungen wandeln eine Kilowattstunde Strom in ungefähr eine Kilowattstunde Wärme um.
- Wärmepumpen erzeugen je nach Anlage und Gebäude oft drei bis fünf Kilowattstunden Wärme aus einer Kilowattstunde Strom.
- Infrarotheizungen sind schnell montiert, aber für dauerhaft beheizte Altbauten meist teuer im Betrieb.
- Bei einem Strompreis von rund 37 Cent je kWh kostet eine Direktheizung für 10.000 kWh Wärme rechnerisch etwa 3.700 Euro pro Jahr.
- Eine gute Dämmung, niedrige Vorlauftemperaturen und eine passende Auslegung entscheiden stärker über die Kosten als die Werbeversprechen des Herstellers.
Stromdirektheizung und Wärmepumpe arbeiten völlig unterschiedlich
Bei einer elektrischen Direktheizung fließt Strom durch einen Heizwiderstand. Dabei entsteht unmittelbar Wärme. Das ist technisch zuverlässig und am Einbauort nahezu verlustfrei, bedeutet aber auch, dass für 1 kWh Wärme ungefähr 1 kWh Strom benötigt wird.
Eine Wärmepumpe nutzt dagegen Strom, um Wärme aus der Außenluft, dem Erdreich oder dem Grundwasser in das Gebäude zu transportieren. Die Kennzahl dafür heißt Jahresarbeitszahl, kurz JAZ. Sie beschreibt, wie viele Kilowattstunden Heizwärme eine Anlage im Jahresmittel aus einer Kilowattstunde elektrischer Energie erzeugt.
Eine JAZ von 4 bedeutet also, dass aus 1 kWh Strom etwa 4 kWh Heizwärme werden. Genau dieser Unterschied entscheidet bei dauerhaftem Heizbetrieb über die Rechnung. Eine Wärmepumpe ist deshalb trotz ihrer höheren Anschaffungskosten meistens die deutlich effizientere elektrische Lösung.
Diese elektrischen Heizmethoden stehen zur Auswahl

Heizlüfter und Elektro-Radiatoren
Heizlüfter erwärmen die Raumluft mit einem Gebläse und reagieren innerhalb weniger Minuten. Für ein kaltes Badezimmer, eine Werkstatt oder einen selten genutzten Raum können sie praktisch sein. Als Dauerlösung für eine Wohnung sind sie wegen des hohen Verbrauchs und der Geräuschentwicklung kaum sinnvoll.
Ölradiatoren und elektrische Konvektoren arbeiten leiser und geben ihre Wärme gleichmäßiger ab. Ihr Wirkungsgrad ist jedoch nicht grundsätzlich besser als der eines Heizlüfters. Bei allen diesen Geräten gilt: Der Strom wird fast vollständig in Wärme umgewandelt, aber es gibt keinen Umweltwärmeanteil.
Infrarotheizungen
Infrarotpaneele erwärmen bevorzugt Oberflächen und Personen im Strahlungsbereich. Dadurch kann sich die Wärme schon bei moderater Raumlufttemperatur angenehm anfühlen. Das ist ein echter Komfortvorteil, aber kein physikalischer Effizienzbonus gegenüber anderen Direktheizungen.
Ein Panel passt gut zu einem selten genutzten Gästezimmer, einem Hobbyraum oder einer punktuellen Sitzplatzheizung. Für ein dauerhaft bewohntes, schlecht gedämmtes Haus werden die vielen Betriebsstunden jedoch schnell teuer. Wer mit niedrigen Verbrauchskosten wirbt, rechnet oft nur mit dem günstigen Kaufpreis und nicht mit den laufenden Ausgaben.
Nachtspeicherheizungen
Nachtspeicheröfen laden einen Speicherkern zu bestimmten Zeiten auf und geben die Wärme später ab. Die Technik kann in älteren Gebäuden noch funktionieren, ist aber schwer regelbar und benötigt viel Platz. Für eine neue Sanierung würde ich sie nur nach einer sorgfältigen Wirtschaftlichkeitsprüfung weiterverfolgen.
Elektrische Wärmepumpen
Luft-Wasser-Wärmepumpen übertragen Umweltwärme in ein wassergeführtes Heizsystem. Sole-Wasser- und Wasser-Wasser-Wärmepumpen nutzen stabilere Wärmequellen, benötigen dafür aber Bohrungen, Genehmigungen oder besondere Grundstücksbedingungen. Eine Luft-Luft-Wärmepumpe, häufig als Split-Klimagerät mit Heizfunktion ausgeführt, eignet sich eher für einzelne Räume oder gut geplante kleine Gebäude.
Die beste Leistung erreicht eine Wärmepumpe bei niedrigen Vorlauftemperaturen von etwa 30 bis 40 °C. Eine Fußbodenheizung ist dafür ideal. In vielen Bestandsgebäuden können auch größere Heizkörper ausreichen, sofern die Heizlast berechnet und die Anlage korrekt eingestellt wird.
Effizienz und Kosten im direkten Vergleich
Für einen fairen Vergleich muss man nicht nur den Kaufpreis betrachten. Entscheidend ist, wie viel Strom für dieselbe Menge nutzbarer Wärme anfällt. Als groben Rechenwert für 2026 verwende ich 0,37 Euro je kWh Haushaltsstrom. Der tatsächliche Tarif kann regional, vertraglich und durch einen separaten Wärmepumpentarif deutlich abweichen.
| System | Typischer Strombedarf | Stärken | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Heizlüfter | 1 kWh Strom für etwa 1 kWh Wärme | Sehr günstig, sofort einsetzbar | Kurzzeitige Wärme in einzelnen Räumen |
| Elektro-Radiator | 1 kWh Strom für etwa 1 kWh Wärme | Leiser, mobil oder einfach montierbar | Gelegentlich genutzte Räume |
| Infrarotheizung | 1 kWh Strom für etwa 1 kWh Wärme | Schnelle Regelung, angenehme Strahlungswärme | Gut gedämmte Räume mit geringer Nutzung |
| Wärmepumpe | Oft 1 kWh Strom für 3 bis 5 kWh Wärme | Niedrige laufende Kosten, hoher Umweltwärmeanteil | Dauerhaft beheizte Wohngebäude |
| Heizstab mit Photovoltaik | 1 kWh Strom für etwa 1 kWh Wärme | Nutzt überschüssigen Solarstrom | Warmwasser oder begrenzte Zusatzwärme |
Das Rechenbeispiel macht den Unterschied greifbar. Benötigt ein Haus jährlich 10.000 kWh Raumwärme, kostet eine Direktheizung bei 37 Cent je kWh theoretisch rund 3.700 Euro Strom. Eine Wärmepumpe mit JAZ 4 benötigt dafür ungefähr 2.500 kWh Strom und käme im selben Tarif auf etwa 925 Euro.
Diese Werte sind keine Heizkostenabrechnung. Warmwasser, Heizstab, Abtauvorgänge, Pumpenstrom und das Nutzerverhalten verändern das Ergebnis. Trotzdem zeigt die Rechnung zuverlässig, warum der niedrige Anschaffungspreis einer Infrarotheizung bei hohem Wärmebedarf schnell zum teuren Teil der Entscheidung wird.
Für welche Gebäude die einzelnen Lösungen sinnvoll sind
Neubau mit sehr niedrigem Wärmebedarf
In einem sehr gut gedämmten Neubau kann eine Direktheizung in einzelnen Fällen funktionieren. Die Heizlast, also die maximal benötigte Wärmeleistung an einem kalten Auslegungstag, muss dafür niedrig sein. Kleine Räume lassen sich dann mit Infrarotpaneelen oder elektrischen Flächenheizungen unkompliziert temperieren.
Für das gesamte Gebäude bleibt eine Wärmepumpe oft die robustere Lösung. Sie liefert auch Warmwasser und kann bei guter Planung mit einer Photovoltaikanlage kombiniert werden. Ich würde Direktstrom im Neubau nur wählen, wenn der Wärmebedarf wirklich gering ist und die Investitionsersparnis nachgerechnet wurde.
Bestandsgebäude und Altbau
Im unsanierten Altbau sind elektrische Direktheizungen meistens die falsche Abkürzung. Alte Fenster, ungedämmte Außenwände und hohe Heizlasten führen dazu, dass die Geräte lange laufen. Eine einzelne Infrarotplatte löst dann nicht das Grundproblem, sondern verschiebt es auf die Stromrechnung.
Eine Wärmepumpe kann auch im Bestand eine Option sein. Vorher sollte ein Fachbetrieb prüfen, ob die Heizkörper bei niedrigerer Vorlauftemperatur noch genügend Wärme abgeben. Schon der Austausch einzelner zu kleiner Heizkörper, ein hydraulischer Abgleich und die Dämmung kritischer Bauteile können den Betrieb deutlich verbessern.
Ferienhaus, Anbau und selten genutzte Räume
Für ein Ferienhaus, einen unbeheizten Anbau oder ein Gästezimmer zählt nicht nur die Jahresarbeitszahl. Die geringe Installationskomplexität und die schnelle Reaktion können wichtiger sein. Ein Elektro-Radiator oder ein Infrarotpaneel ist hier vertretbar, wenn die Nutzung begrenzt bleibt und die Temperatur automatisch geregelt wird.
Meine Faustregel lautet: Je kürzer die tägliche Nutzung und je kleiner der Raum, desto eher kann eine Direktheizung wirtschaftlich passen. Wird derselbe Raum jedoch jeden Winter täglich beheizt, sollte man die Wärmepumpe oder einen Anschluss an ein vorhandenes Heizsystem prüfen.
Photovoltaik auf dem eigenen Dach
Photovoltaik verbessert die Bilanz elektrischer Heizsysteme, ersetzt aber keine realistische Verbrauchsrechnung. Der größte Heizbedarf fällt im Winter an, während die Solaranlage dann deutlich weniger Energie erzeugt. Ein Batteriespeicher kann Tageszeiten verschieben, aber keine längeren dunklen und kalten Wetterperioden überbrücken.
Besonders sinnvoll ist die Kombination aus Photovoltaik und Wärmepumpe. Überschüssiger Solarstrom kann für Warmwasser oder einen Teil des Heizbetriebs genutzt werden. Bei einem Heizstab sollte man dagegen im Hinterkopf behalten, dass er aus einer Kilowattstunde Solarstrom ebenfalls nur eine Kilowattstunde Wärme macht.
Planung, Anschluss und Betrieb entscheiden über das Ergebnis
Mit der Heizlast beginnen
Eine überschlägige Rechnung nach Wohnfläche reicht für die Auswahl meist nicht aus. Die Heizlast berücksichtigt Gebäudehülle, Fenster, Raumtemperatur, Standort und Lüftungsverluste. Ohne diese Grundlage werden Direktheizungen häufig zu groß dimensioniert und Wärmepumpen unnötig leistungsstark gekauft.
Für eine erste Kostenschätzung kann man den bisherigen Wärmeverbrauch heranziehen. Für die endgültige Planung einer Wärmepumpe sollte aber eine raumweise Heizlastberechnung erstellt werden. Das verhindert Takten, unnötig hohe Vorlauftemperaturen und überdimensionierte Geräte.
Stromkreis und Sicherheit prüfen
Ein Heizlüfter mit 2.000 Watt zieht bei voller Leistung bereits etwa 8,7 Ampere aus dem 230-Volt-Netz. Mehrere Geräte an einer Steckdosenleiste sind deshalb keine gute Idee. Für fest installierte Heizungen müssen Leitung, Absicherung, Thermostat und gegebenenfalls der Zählerschrank zur zusätzlichen Last passen.
Gerade bei älteren Gebäuden sollte ein Elektriker die Anlage prüfen. Ein Verlängerungskabel unter dem Teppich, lose Steckkontakte oder ein überlasteter Stromkreis erhöhen die Brandgefahr. Dieser Sicherheitsaspekt wird beim schnellen Kauf eines günstigen Heizgeräts erstaunlich oft übersehen.
Tarife, Regelung und Wartung
Für Infrarotheizungen steht nicht automatisch ein günstiger Heizstromtarif zur Verfügung. Ein separater Zähler, technische Voraussetzungen und mögliche Grundgebühren können den Vorteil wieder reduzieren. Vor Vertragsabschluss sollte deshalb der komplette Jahrespreis betrachtet werden, nicht nur der Arbeitspreis.
Eine gute Regelung spart mehr als ein besonders werbewirksames Heizpaneel. Raumthermostate, Zeitprogramme und eine Absenkung bei Abwesenheit verhindern unnötige Laufzeiten. Bei Wärmepumpen sind außerdem Heizkurve, hydraulischer Abgleich und regelmäßige Kontrolle wichtiger als ständiges manuelles Nachregeln.
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GEG und Förderung nicht nach dem Bauchgefühl beurteilen
Für neue Heizungen gelten in Deutschland Vorgaben aus dem Gebäudeenergiegesetz, deren Anwendung vom Gebäude, vom Zeitpunkt der Planung und von der kommunalen Wärmeplanung abhängen kann. Eine elektrische Wärmepumpe erfüllt die Anforderungen typischerweise leichter als eine reine Stromdirektheizung. Direktheizungen kommen vor allem in sehr gut gedämmten Gebäuden mit niedrigem Wärmebedarf infrage.
Für den Einbau einer Wärmepumpe können Förderprogramme der KfW relevant sein. Förderbedingungen, förderfähige Kosten und Boni ändern sich jedoch. Ich würde deshalb erst die aktuelle Förderzusage und die technischen Voraussetzungen prüfen und danach den Auftrag vergeben.
Die beste Entscheidung vermeidet diese typischen Fehler
- Nur den Kaufpreis vergleichen: Ein günstiges Panel kann über viele Jahre teurer sein als eine effizientere Anlage.
- Werbeangaben mit Heizkosten verwechseln: Die vollständige Umwandlung von Strom in Wärme bedeutet nicht, dass wenig Strom benötigt wird.
- Wärmepumpe ohne Gebäチェック installieren: Vorlauftemperatur, Heizkörper, Schallschutz und Aufstellort müssen zusammenpassen.
- Photovoltaik überschätzen: Eigenstrom senkt Kosten, deckt den winterlichen Heizbedarf aber meist nicht vollständig.
- Mobile Geräte dauerhaft einsetzen: Heizlüfter gehören unter Aufsicht und nicht als Ersatz für eine geplante Zentralheizung in den Dauerbetrieb.
Bei einer dauerhaft bewohnten Immobilie würde ich zuerst den Wärmebedarf senken, dann die Heizlast berechnen und erst danach das System auswählen. Für einzelne selten genutzte Räume darf die einfache Lösung gewinnen. Für die gesamte Wärmeversorgung eines Hauses spricht dagegen meist die Wärmepumpe mit niedrigen Systemtemperaturen.
Eine gute Stromheizung beginnt mit einer ehrlichen Jahresrechnung
Elektrische Wärme ist nicht grundsätzlich schlecht, aber ihre Qualität hängt stark von der Technik ab. Direktheizungen punkten mit einfacher Montage und niedrigen Investitionskosten, während Wärmepumpen den Strom durch die Nutzung von Umweltwärme wesentlich besser ausnutzen.
Wer dauerhaft heizt, sollte deshalb nicht nur fragen, welches Gerät am schnellsten warm wird. Entscheidend sind Wärmebedarf, JAZ, Stromtarif, Gebäudestandard und Nutzungsdauer. Erst wenn diese fünf Punkte zusammenpassen, wird aus einer elektrischen Heizung eine technisch und wirtschaftlich tragfähige Lösung.