Ein ungewohnter Geruch im Haus sorgt schnell für Unsicherheit, besonders wenn eine Gastherme, ein Herd oder eine andere Gasinstallation vorhanden ist. Erdgas ist von Natur aus geruchlos, wird in Deutschland aber mit einem intensiv riechenden Warnstoff versetzt, damit austretendes Gas möglichst früh auffällt. Ich zeige, wie dieser Geruch typischerweise wahrgenommen wird, welche anderen Ursachen infrage kommen und was im Ernstfall sofort zu tun ist.
Die wichtigsten Hinweise zum Geruch von Gas auf einen Blick
- Typischer Geruch: Erdgas riecht meist schwefelig, faulig oder nach verdorbenen Eiern.
- Ursache: Der Geruch stammt nicht vom Erdgas selbst, sondern von zugesetzten Odoriermitteln.
- Bei Verdacht: Keine Schalter, Stecker, Flammen oder Telefone im Gebäude benutzen.
- Richtig handeln: Personen warnen, Gebäude verlassen und erst außerhalb den Netzbetreiber oder die 112 anrufen.
- Wichtig: Kohlenmonoxid ist geruchlos. Ein CO-Melder ersetzt deshalb keinen Gaswarnmelder und umgekehrt.
Wie riecht Gas typischerweise
Wer sich fragt, wie Gas riecht, meint meistens den charakteristischen Geruch von odoriertem Erdgas. Viele Menschen beschreiben ihn als faulige Eier, Schwefel, Kohl oder einen stechenden chemischen Geruch. Je nach verwendetem Odoriermittel kann die Wahrnehmung etwas anders ausfallen, deshalb gibt es nicht den einen, überall identischen Gasgeruch.
Das Erdgas selbst ist ursprünglich farb- und geruchlos. Damit ein Leck nicht unbemerkt bleibt, mischen Netzbetreiber sogenannte Odoriermittel bei. Diese Stoffe riechen bereits in sehr geringer Konzentration deutlich. Der DVGW empfiehlt deshalb, sich mit dem typischen Geruch vertraut zu machen, etwa mithilfe einer sicheren Odorkarte vom Netzbetreiber.
Ich rate davon ab, den Geruch mit einer offenen Flamme oder einem Feuerzeug überprüfen zu wollen. Schon ein kleiner Funke kann gefährlich sein, wenn sich Gas mit der Raumluft vermischt hat.
Warum der Geruch nicht immer gleich wahrgenommen wird
Die Intensität hängt unter anderem davon ab, wie viel Gas austritt, wie gut der Raum belüftet ist und wie lange der Geruch bereits besteht. In einem kleinen, schlecht belüfteten Raum kann er sehr stark sein. Bei einem Leck im Außenbereich oder hinter einer Verkleidung bleibt dagegen manchmal nur ein schwacher, sporadischer Geruch zurück.
Auch die persönliche Wahrnehmung spielt eine Rolle. Erkältungen, Allergien, Rauchen oder eine längere Geruchsbelastung können den Geruchssinn beeinträchtigen. Wer den Geruch nur kurz bemerkt und danach nicht mehr wahrnimmt, sollte deshalb nicht automatisch Entwarnung geben. Ich behandle einen ungeklärten Gasgeruch grundsätzlich als möglichen Notfall, bis eine Fachkraft die Ursache geprüft hat.
| Wahrnehmung | Mögliche Beschreibung | Was sie bedeutet |
|---|---|---|
| Schwefelig | Faulige Eier, Kohl, Zwiebeln | Typisch für odoriertes Erdgas |
| Stechend | Chemisch, lösungsmittelartig | Kann ebenfalls von Odoriermitteln stammen |
| Modrig oder faulig | Kanalisation, Abfluss, feuchte Stoffe | Auch eine andere Ursache ist möglich, sollte aber geprüft werden |
| Kein Geruch | Neutral oder unauffällig | Schließt ein Problem nicht sicher aus, besonders bei anderen Gasen |
Besonders wichtig ist die letzte Zeile. Kohlenmonoxid riecht nicht und entsteht bei einer fehlerhaften Verbrennung, etwa durch eine schlecht gewartete Feuerstätte oder eine blockierte Abgasführung. Bei Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit oder Benommenheit sollte das Gebäude sofort verlassen werden.
Gasgeruch in der Wohnung richtig einordnen
Ein Geruch nach faulen Eiern kommt nicht zwangsläufig aus der Gasleitung. Möglich sind auch ein trockener Siphon, ein Abflussproblem, Lösungsmittel, Reinigungsmittel oder faulende organische Stoffe. Gerade in Kellern werden Gerüche aus Abwasserleitungen und Gerüche von Gas gelegentlich verwechselt.
Die Ursache lässt sich ohne Messgerät jedoch nicht zuverlässig beurteilen. Deshalb gilt bei einem ungewohnten schwefelartigen Geruch in der Nähe von Gasgeräten, Leitungen oder dem Zähler eine einfache Regel: nicht selbst lange suchen, sondern zuerst für Sicherheit sorgen. Eine spätere Entwarnung durch den Netzbetreiber ist deutlich besser als ein übersehenes Leck.
Auch Flüssiggas und Biogas können anders riechen als das Erdgas im öffentlichen Netz. Bei Gasflaschen, Tanks oder privaten Anlagen gelten zudem die Hinweise des jeweiligen Betreibers. Eine Installation darf nur von einem zugelassenen Fachbetrieb geprüft oder repariert werden.
Was bei Gasgeruch sofort zu tun ist
Wenn ich in einem Gebäude Gasgeruch wahrnehme, gehe ich immer in dieser Reihenfolge vor. Entscheidend ist, keine Zündquelle zu erzeugen und keine Zeit mit einer eigenen Fehlersuche zu verlieren.
- Keine Flammen erzeugen. Nicht rauchen, keine Kerzen anzünden und keine Feuerzeuge oder Streichhölzer verwenden.
- Keine elektrischen Schalter betätigen. Lichtschalter, Klingeln, Steckdosen, Dunstabzug und elektrische Geräte bleiben aus.
- Wenn gefahrlos möglich lüften. Fenster und Türen können geöffnet werden, aber nur ohne elektrische Rollläden oder andere Schalter zu bedienen.
- Personen warnen. Mitbewohner und Nachbarn durch Klopfen oder Zurufen aufmerksam machen, nicht durch Klingeln.
- Gebäude verlassen. Im Freien Abstand halten und andere Personen nicht in den Gefahrenbereich lassen.
- Von draußen Hilfe rufen. Den örtlichen Gasnetzbetreiber oder bei akuter Gefahr die 112 verständigen.
Das Gasabsperrventil darf nur geschlossen werden, wenn es ohne Risiko und auf dem direkten Weg erreichbar ist. Niemand sollte dafür durch stark riechende Räume gehen, elektrische Anlagen bedienen oder Zeit im Gebäude verbringen. Auch das eigene Smartphone gehört erst draußen in die Hand.
Was häufig falsch gemacht wird
Viele Menschen schalten zuerst das Licht ein, um nach der Ursache zu suchen. Genau dieser kleine Handgriff kann bei einem zündfähigen Gas-Luft-Gemisch problematisch sein. Ebenso riskant ist es, den Herd, die Therme oder eine Steckdose zu testen, weil man den Geruch einer bestimmten Stelle zuordnen möchte.
Ein weiterer Fehler ist langes Lüften bei gleichzeitigem Aufenthalt im Raum. Lüften kann die Konzentration zwar verringern, ersetzt aber keine Prüfung. Wer nach einigen Minuten nichts mehr riecht, sollte nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, denn Geruch kann sich verflüchtigen, während die Ursache bestehen bleibt.
Auch Raumsprays, Duftkerzen oder aggressive Reinigungsmittel sind keine Lösung. Sie überdecken den Geruch und erschweren damit die Wahrnehmung. Bei Gasgeruch zählt nicht die Geruchsbekämpfung, sondern die schnelle Sicherung des Gebäudes.
Wie sich Gasgeruch dauerhaft vermeiden lässt
Eine regelmäßige Wartung der Gastherme und eine Sichtkontrolle der frei zugänglichen Leitungen helfen, Probleme früh zu erkennen. Eigentümer sollten die Wartungsintervalle des Herstellers und die Vorgaben des Fachbetriebs einhalten. Mieter melden Auffälligkeiten an den Vermieter, ohne selbst an Leitungen oder Geräten zu arbeiten.
In Haushalten mit Gasgeräten halte ich außerdem einen Kohlenmonoxidmelder in der Nähe von Feuerstätten für eine sinnvolle Ergänzung. Er erkennt jedoch kein austretendes Erdgas. Für den jeweiligen Einsatzzweck braucht es daher das passende Warnsystem, und beide Geräte müssen nach Herstellerangaben montiert und regelmäßig getestet werden.
Wer den typischen Geruch nicht sicher kennt, kann beim örtlichen Netzbetreiber nach einer Geruchsprobe oder einer Odorkarte fragen. Das klingt zunächst nebensächlich, macht im Ernstfall aber einen echten Unterschied, weil man einen ungewöhnlichen Geruch schneller einordnen kann.
Der wichtigste Merksatz für den Ernstfall
Riecht es im Haus nach Schwefel, faulen Eiern oder einem ungewöhnlich stechenden Stoff, sollte ich nicht erst beweisen wollen, dass es wirklich Gas ist. Keine Flamme, kein Schalter, kein Telefon im Gebäude, sondern Personen warnen, nach draußen gehen und Hilfe verständigen. Bei Gasgeruch ist eine vorsichtige Reaktion nie übertrieben, sondern genau das Verhalten, für das die Odorierung gedacht ist.